Welterbe

Der Amaretto von Mombaruzzo hat eine Geschichte, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat. Es begann im XVIII. Jh. und setzt sich heute noch dank der neue Amaretti Werkstatt der Familie Berta fort.

Ende des XVIII. Jh. verliebte sich der aus Mombaruzzo stammenden Francesco Moriondo, Schatzmeister des Hauses Savoyen, in ein wunderschönes Mädchen mit sizilianischen Wurzeln, die Zuckerbäckerin bei den Savoyern war. Eines ihrer besten Rezepte war ein Mandelkuchen. Als Francesco Moriondo nach Mombaruzzo zurückkehrte, eröffnete er eine kleine Konditorei, in der er eine modifizierte Version der Mandelkuchen produzierte und verkaufte: er fügte eine kleine Portion bittere Mandel. Von diesem bitteren Geschmack kommt der Name der Süßigkeiten: Amaretti (amaro = bitter).

Anerkennung und Erfolg lassen nicht lange auf sich warten: Moriondo gewinnt die goldene Medaille auf den Zuckerbäcker-Messen von Neapel 1882, Mailand und Turin 1884, Rom 1887 und 1895. Nach seinem Tod erbten seine Enkel Carlo und Virginio die Rezepte. So erreichte uns die Tradition der Amaretti.

Um diese Geschichte noch näher kennen zu lernen veröffentlichen wir das Interview (von Museum "Palazzo del Gusto" in Nizza Monferrato realisiert), mit Frau Ada Pessini, Frau des Amarettis.

Paolina Berta, Großmutter von Gianfranco und Enrico Berta, hatte als erste die Idee den Amaretti einen Schuss Grappa beizufügen. Eine geniale Eingebung, die ihrer Zeit voraus und sehr erfolgreich war. Um die Tradition weiterzuführen entschieden sich die Erben der Distillerie Berta im Jahr 2011 an ihren Betrieb eine Konditorei anzubauen. Man entschied sich die alte Tradition der Amaretti mit Grappa zu erneuern und arbeitete dazu die traditionellen Rezepte um. Dies setzt die Verwendung von erstklassigen Zutaten voraus. Somit wurde ein neuer Kuchen geschaffen: goldfarben, duftend und weich. Durch den Zusatz von ein paar Tropfen des Berta Destillates gewinnen die Amaretti von Mombaruzzo noch mehr Geschmack und sind knusprig, duftend, delikat und reich an Aromen aus frisch gepresste Trauben.

Die Familie Berta liebt Herausforderungen und entscheidet sich im selben Jahr die Produktion auszudehnen: durch den Ankauf des Betriebs von Moriondo Carlo, der historischen Marke, was die Amaretti Produktion angeht.

In alten Backstube, in Via Saracco 7, werden seit mehr als 100 Jahren die typischen Leckerbissen produziert und Konditormeister reproduzieren die traditionellen Rezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Es werden nicht nur die typische Leckerbissen hergestellt, wie die traditionellen Amaretti oder die Grappa-Amaretti, sondern auch Nuss-Amaretti, Kaffee-Amaretti, Amaretti mit kandierten Früchten, Nusskuchen, Mürbteigkuchen, Trockengebäck wie z.B. Baci di Dama (Damenküsschen), Brutti ma buoni (Hässlich aber gut), karamellierte Haselnüsse und Mandeln.

Frau Ada, können Sie kurz die Geschichte der Familie Moriondo erzählen?
«Mein Großvater hieß Giacinto. Er hatte 10 Kinder, darunter Carlo, Virginio und meine Mutter Giuseppina. Damals, als sich die Fabrik meines Opas in der Hauptstrasse von Mombaruzzo befand, war die Via Saracco noch eine Landstraße. Als sie erneuert wurde, kaufte mein Opa jenes Haus, in dem sich das Geschäft heute noch befindet. In der Nähe befand sich auch eine Bäckerei. Meine Mutter und meine Tante übersiedelten in das Haus, das an einer der wichtigsten Straßen von Mombaruzzo gelegen war.
Nach seiner Hochzeitsreise widmete sich Onkel Carlo ab 1906 der Produktion der Amaretti und gründete die Firma Moriondo Carlo.
Später heiratete auch Onkel Virginio, er kaufte die naheliegende Bäckerei und begann ebenfalls mit der Produktion von Amaretti. So begann die Trennung von den Zwei Backstuben: Carlo e Virginio Moriondo.»

Sie haben Ihr ganzes Leben mit diesen Süßigkeiten verbracht, den Amaretti. Diese haben als Hauptzutat Mandeln, untypisch für piemontesische Süßwaren...
«Das Rezept kommt von meiner Ururgroßmutter. Sie war Köchin im Königshaus, wo mein Ururgroßvater Schatzmeister war. Sie war Sizilianerin und backte Mandelkuchen. Nun, normalerweise verwendet man nur die süßen Mandeln, jedoch fügte sie auch ein bisschen von den bitteren zu... das gab dem Kuchen diesen bitteren (Amaretto in Italienisch) Geschmack. Als meine Ururgroßeltern nach Mombaruzzo zurückkehrten, produzierten sie weiter diese Süßwaren aus süßen und bitteren Mandel. Die Leute aus Mombaruzzo kosteten die kleine Süßigkeiten und sagten: "Oh, sie schmecken gut... sind ein bisschen "amaretti" - "bitter", daher kam auch der Name.»

Frau Ada, wie macht man ein Amaretto, und wie wird es verpackt?
«Zu Beginn stampften wir die Mandeln im Mörser. Was für eine Strapaze! Dann erworben wir einen Gerät, mit dem die Mandel gestampft und verarbeitet wurden. Dann werden sie direkt in die Knetmaschine gegeben, zusammen mit dem Zucker und das Eiweiß. Es funktioniert ähnlich wie die Produktion von Gnocchi: der Teig wird gerollt und dann in kleine Stücke geschnitten, diese werden in Puderzucker gerollt, zu kleinen Kugeln geformt und dann schiebt man sie in den Backofen.»

Und nach dem Backen werden die Amaretti in Paraffinpapier eingewickelt?
«Ja genau, wie Bonbons, alles in Handarbeit hergestellt. Nun werden Sieverpackt, mein Großvater Giacinto.»

Wie war Ihre Erfahrung im Mailänder Geschäft?
«Ich begann in Mailand zu arbeiten, als ich noch nicht 18 Jahre alt war und ich bliebdort zwanzig Jahre… jetzt bin ich 86! Das Geschäft befand sich ganz in der Nähe der PiazzaDuomo. Ich fuhr nach Allerheiligen nach Mailand und blieb den ganzen Winter, ich kehrteimmer im Mai nach Hause zurück. In Mombaruzzo gab es Dank der Dorffeste und Messenim Sommer viel Arbeit; meine Eltern produzierten auch Torrone (Türkische Honig) und beiden Landsommerfesten hatten sie immer einen Süßigkeitentisch. Ich musste immer zu Hausebleiben. Viele Jahre lang nahmen wir auch an der Mailänder Messe teil… es war damals sehrwichtig, vielleicht auch jetzt…»

Und der Mailänder Markt war wichtig?
«Ja, in Mailand arbeiteten wir gut, wir verkauften viele Amaretti. Es war uns klar, dass wirunbedingt auch andere Süßwaren produzieren mussten.»

War es schwierig das Rezept geheim zu halten?
«Oh ja… die Leute sind neugierig, es gab einen Herrn, der einen schlauen Plan erdachthatte… Wir schickten schon seit mehreren Jahren Amaretti nach Paris, eines Tages rief er anund erzählte uns, dass der Zoll die Ware nicht durchließ und die Beamten die genauen Zutatenmit genauen Dosierungen haben wollten… wir sagten: „Ach ja? Na dann versenden wir keine Amaretti mehr nach Frankreich!“. Wir erfuhren später, dass dieser Herr eine eigene Backstubebesaß, wo er Kekse backte…er wollte unser Rezept, um selber Amaretti zu backen! Es war nureine Lüge! Wenn jemand nach dem Rezept fragte, antwortete mein Bruder, er könne nichtschreiben!»

Außer dem Einzelhandel in euren Geschäften, haben Sie Handelsvertreter, die sich um diegeschäftlichen Beziehungen kümmerten oder kümmerte Ihr euch um das alles persönlich?
«Wir haben Teilweise Agenten gehabt. Aber mein Bruder wollte kein Großmarkt. Ab undzu telefonierten die Leute um eine größere Bestellung zu machen. Er sagte mir immer: „Wehdir…!!!“. Größe Produktionen verschlechterten die Qualität. Er sagte immer nur: „Ich machedas was ich kann!“»

Haben Sie Werbung gemacht?
«Nein, wir lebten immer von der Mund-zu-Mund-Propaganda, niemals gaben wir Geld fürWerbung aus! Sie können sich vorstellen: wenn ein Geschäftstreibender uns anrief und unsereProdukte in seinem Shop verkaufen wollte, kontaktierte mein Brüder zuerst unsere Klientenin der Nähe und fragte, ob es ein Problem wäre, wenn wir auch andere Geschäfte als Kundenhätten. So bauten wir schöne Freundschaftsbeziehungen!»